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Soziale und ökologische Aspekte

Bergbau und Wasser

Wasserablaufbecken einer stillgelegten Goldmine in Honduras

Mit dem Projekt „Wasser und Bergbau“ wird vom Sektorprogramm Rohstoffe und Entwicklung eines der derzeit relevanten Konfliktfelder im Spannungsfeld der entwicklungspolitischen Rolle von mineralischen Rohstoffen und der Verfügbarkeit von Wasserressourcen zur anderweitigen Nutzung (u.a. zur Bewässerung, als Trinkwasser) bearbeitet. In vielen rohstoffreichen und sich entwickelnden Ländern führen Spannungen bezüglich der derzeitigen und zukünftigen Verteilung der häufig begrenzten Wasserreserven zu sozialen Spannungen bis hin zu langwierigen und zum Teil gewalttätigen Konflikten. Die Konfliktparteien sind vielfältig und erstrecken sich von Bergbauunternehmen, staatliche Institutionen, über Kleinbauern und Vereinigungen indigener Bevölkerungen, die zum Teil stark variierende Interessen in Bezug auf die Ausweitung bergbaulicher Aktivitäten vertreten.

In einem Pilotvorhaben wird das Projekt „Bergbau und Wasser“ daher eine erste Bestandsaufnahme wasserbasierter Konflikte, ihrer Ursachen und der Erörterung möglicher Lösungsansätze im Umfeld von großen Bergbauprojekten im Andenland Peru durchführen. An Peru wird die Notwendigkeit einer derartigen Auseinandersetzung besonders deutlich, da sich mehrfach massive Proteste der Bevölkerung gegen Projekte internationaler Bergbauunternehmen ergeben haben. Dies führte allein in Peru zur Einstellung oder Verzögerung von Vorhaben, die sich in den letzten 15 Jahren auf entgangene Investitionen in Höhe von geschätzten 8,5 Milliarden US-$ beziffern. Hier wird der Einfluss sozialer Konflikte auf die wirtschaftliche Entwicklung rohstoffreicher Länder besonders deutlich. Peru, dessen Rohstoffsektor rund die Hälfte der Gesamtexporte und etwa fünf Prozent des BIP ausmacht, ist durch seine reichhaltigen Vorkommen an Metallen und Mineralien wirtschaftlich stark auf die nachhaltige Entwicklung dieses Sektors angewiesen.

Im Bergbau sind die Ursachen für die Eskalation von Konflikten multidimensional. Anhand der Analyse von öffentlich verfügbaren Konfliktdaten wird deutlich, dass sich ein signifikanter Anteil der Spannungen auf Unstimmigkeiten bezüglich der Wasserverfügbarkeit und –verteilung zwischen Bergbauunternehmen und Bevölkerung zurückführen lässt. Gemessen an der Relevanz, die diese Konflikte derzeit bereits in Peru besitzen, wird sich zukünftig unter dem Eindruck des Klimawandels eine weitere Verschärfung der Auseinandersetzungen abzeichnen. Das erwartete Schrumpfen der Andengletscher, wird in den dicht bevölkerten und intensiv landwirtschaftlich genutzten Küstengebieten Perus für erhöhten, wasserbasierten Stress auf die Bevölkerung und das Ökosystem sorgen.

Im Angesicht dieser Voraussetzungen wird sich die Aufgabe des Sektorprogramms Rohstoffe und Entwicklung zunächst auf Vorfeldarbeiten und die Analyse von Schwachstellen im bestehenden Verfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und den womöglich unzureichenden Kapazitäten der daran beteiligten öffentlichen Einrichtungen wie dem Umweltministerium (MINAM) und der ihm untergeordneten Einrichtung zur Vergabe von Umweltlizenzen (SENACE) beschränken. Bei entsprechender Nachfrage wird eine Erweiterung des Projekts auf andere rohstoff- und konfliktreiche Regionen angestrebt.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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