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Soziale und ökologische Aspekte

Leave No One Behind - LNOB im Rohstoffsektor

ASM Miners Kono Westafrica

„Leave No One Behind" (LNOB) - „Niemanden Zurücklassen" - ist der Leitsatz der 2015 verabschiedeten Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Er bildet den globalen Rahmen der 17 Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen. Die Weltgemeinschaft hat sich darauf verständigt, die Schwächsten der Schwachen in den Mittelpunkt zu stellen und insbesondere diejenigen zuerst zu erreichen, die aktuell noch am weitesten hinten liegen. Doch wie passt LNOB in den extraktiven Sektor und was tut die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) dafür, im Zuge einer verantwortungsvollen Rohstoffproduktion „Niemanden Zurückzulassen"?

Hintergrund:

Drei Viertel der von Armut betroffenen Menschen leben in Ländern, deren Wirtschaft stark von Rohstoffen dominiert ist. Dabei wird die Relevanz des Rohstoffsektors in den kommenden Jahren unter anderem vor dem Hintergrund politischer Entscheidungen wie der Energie- und Verkehrswende weiter steigen. Erneuerbare Energietechnologien sind einerseits dringend notwendig, um die Pariser Klimaziele einzuhalten andererseits jedoch sehr rohstoffintensiv. So wird in der EU nach Schätzungen der Europäischen Kommission bis 2030 achtzehn Mal so viel Lithium und fünf Mal so viel Kobalt wie bisher benötigt. Daher ist es umso wichtiger, dass marginalisierte Personen und Gruppen sowie Menschen in extremer Armut auch im Rohstoffsektor im Fokus von Entwicklungsprozessen stehen und damit strukturelle Ursachen von Ungleichheiten und Diskriminierung bearbeitet werden können.

  • Etwa 40 Millionen Menschen arbeiten nach Schätzungen der Weltbank weltweit im Kleinbergbau - meist als informelle Arbeiterinnen und Arbeiter - und sind häufig unsicheren Arbeitsbedingungen wie fehlendem Arbeits- und Gesundheitsschutz ausgesetzt.
  • Davon sind je nach Land 30-50 % Frauen, während im industriellen Bergbau lediglich 10 % der Beschäftigten weiblich sind. Die Arbeitsrealität von Frauen im Bergbausektor ist geprägt von struktureller Benachteiligung, Lohnungerechtigkeit und mangelndem Gesundheitsschutz. Darüber hinaus sind sie oft von sexueller Gewalt und Prostitution im Umfeld der Minen betroffen.
  • Zudem sind nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO) weltweit etwa 1 Millionen Kinder im Bergbau tätig. Kinderarbeit im Bergbau gehört zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Es besteht ein Mangel an gesetzlichen Regelungen und Durchsetzungsmechanismen sowie an Schul- und Berufsausbildung. Daraus resultiert eine wirtschaftliche Perspektivlosigkeit.
  • Auch Indigene sind stark von den negativen Auswirkungen des Rohstoffsektors betroffen. In rohstoffreichen Regionen kann es zu gewaltsamen Konflikten sowie der Zerstörung von Lebensgrundlagen kommen. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge werden jährlich etwa 15 Millionen Indigene aufgrund von großen Investitions- und Entwicklungsprojekten insbesondere im extraktiven Rohstoffsektor zwangs umgesiedelt. Oft werden kollektive Konsultations- und Zustimmungsrechte (Free, prior and informed consent, FPIC) missachtet. Indigene sind zudem disproportional von historischer Diskriminierung und Rassismus betroffen.
  • Rohstoffextraktion erfordert den Einsatz großer Wassermengen, die als toxisches Abwasser in Flüsse zurückgeleitet werden. Negative Folgen können Biodiversitätsverlust, Bodendegradation, Gesundheitsschäden, Wasserverschmutzung sowie Entzug der Lebensgrundlage sein und Menschen damit zusätzlich in Armut und Marginalisierung drängen.

Projektbeispiele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zur Verankerung von LNOB im Rohstoffsektor

Der Rohstoffsektor hat jedoch nicht nur negative Auswirkungen auf Menschen, sondern ist als wirtschaftliche Einnahmequelle auch ein attraktiver Arbeitsplatz und hält somit viele Potentiale bereit, Menschen den Weg aus der Armut zu ermöglichen. Die aufgeführten Beispiele geben einen Ausblick, wie der Rohstoffsektor gestaltet sein muss, damit dies nachhaltig geschieht und „niemand zurückgelassen" wird.  

Integrierte wirtschaftliche Entwicklung im Rohstoffsektor in Mauretanien
  • Fördert die lokale Wertschöpfung im industriellen Bergbau
  • Führt im Kleinbergbau eine Studie zu quecksilberfreien Alternativen in der Goldextraktion durch und trägt somit zu besseren Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz sowie Umweltschutz bei.
 
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung im Bergbausektor in der DR Kongo
  • Begleitet Bergbau-Kooperativen bei ihren Aktivitäten, um sie bei der Einhaltung internationaler Standards im Bergbausektor zu unterstützen.
  • Beinhaltet insbesondere Standards zu den Themen Menschenrechte mit besonderem Schwerpunkt auf der Ausmerzung der Kinderarbeit. In diesem Zusammenhang werden ein Katalog von Standards entwickelt sowie Informations- und Schulungsmodule eingerichtet.
MinGov Projekt in Afghanistan
  • Stärkung der Beteiligungsrechte von Bergbaugemeinden: Unterstützt Bergbaugemeinden durch Community-Based Monitoring-Prozesse auf der Provinzebene dabei, Bergbautätigkeiten künftig in Hinblick auf Umwelt- und Sozialfragen ergänzend beaufsichtigen zu können. Dadurch ermöglicht es der lokalen Bevölkerung im Rahmen von Multi-Akteurs-Dialogveranstaltungen Kritik zu äußern, Vorschläge einzubringen und mehr Rechenschaft einzufordern. Die Community-Based Monitoring-Prozesse berücksichtigen dabei besonders die Rolle von Frauen im Bergbausektor.
  • Unterstützt die Erarbeitung und Implementierung einer Gender Policy für das Ministerium für Bergbau und Petroleum (MoMP) und trägt somit dazu bei, bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern abzubauen.
MinSus Projekt in der Andenregion
  • In der Andenregion arbeitet das MinSus Projekt mit der Ibero-American Foundation of Ombudsmen (FIO) zusammen und unterstützt die Ombudsbehörden bei der Verbesserung ihrer Beschwerdemechanismen.
  • Berät das Bergbauministerium in Kolumbien bei der Optimierung und Implementierung seiner Genderstrategie.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt damit das LNOB - Prinzip bereits in mehreren Projekten im Rohstoffsektor aktiv um und leistet somit einen Beitrag zur Einbeziehung marginalisierter Gruppen und Personen in Entwicklungsprozessen.


Factsheet DEU

Lexikon der Entwicklungspolitik

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