Hauptinhalt

Soziale und ökologische Aspekte

Geschlechtergerechtigkeit im Rohstoffsektor stärken

Frau in ASM in Kono (Westafrika)

Auswirkungen des Bergbausektors betreffen Frauen und Mädchen anders als Männer. Frauen leiden mehr unter den negativen Folgen des Bergbaus, wie der Verschmutzung des durch sie betriebenen Vieh- und Ackerbodens oder der Gefahr von Krankheiten. Gleichzeitig profitieren sie seltener von seinen positiven Auswirkungen, wie beispielsweise dem Zugang zu gut bezahlten Arbeitsplätzen. Bergbau gehört zu den am wenigsten geschlechtergerechten Arbeitsbereichen der Welt.

Gender-Ungerechtigkeit

  • Frauen haben in vielen Ländern kein Recht auf einen formalen Landtitel und erhalten deswegen keine Entschädigung, wenn Land für Bergbauaktivitäten enteignet wird. Mit dem Verlust ihrer landwirtschaftlichen Flächen verlieren sie jegliche Erwerbs- oder Subsistenzgrundlage.
  • Durch Migration von Arbeitern in Bergbauregionen, in denen es oft nur schwache staatliche Strukturen gibt, sind Frauen von sexuellen Übergriffen bedroht. Dies erhöht ebenso das Risiko sexuell übertragbarer Krankheiten.
  • Frauen betreiben in Bergbaugebieten überwiegend die Land- und Viehwirtschaft und sind deshalb durch die Kontaminierung von Boden und Wasser gesundheitlichen und ökonomischen Risiken ausgesetzt.
  • Durch den oft vorherrschenden Aberglauben, Frauen in Minen bringen Unglück, werden sie in Kleinstminen überwiegend für die Weiterverarbeitung des Rohstoffs mit gesundheitsschädlichen Materialien eingesetzt - mit ernsthaften Gesundheitsschäden für sie und ihre ungeborenen Kinder.
  • Frauen im Bergbau werden nicht nur schlechter bezahlt als Männer. Sie erhalten auch kaum eine Chance, sich zu qualifizieren oder an Fortbildungen teilzunehmen.
  • Sie besitzen selten Firmen, die von der Nachfrage nach Zulieferern profitieren.
  • Frauen profitieren weniger von Entwicklungsinvestitionen, die aus Bergbausteuern finanziert werden. Studien zufolge investieren Männer eher in große Infrastrukturvorhaben, Frauen hingegen in Bildung und Gesundheit, was nachhaltigere Auswirkungen auf die Gemeinde hat.
  • Frauen sind häufig bei Mitbestimmungsprozessen ausgeschlossen. Sie haben keine Mitspracherechte im Bergbau und in den Gemeindeforen bei Fragen der Bergbaupolitik.
  • Aufgrund von Migration von Bergleuten werden Frauen häufig in Nicht-Bergbauregionen zurückgelassen. Sie sind dann teilweise alleine für die Versorgung der Familie verantwortlich. Durch die Abwesenheit der männlichen Bevölkerung in der Region sinkt der Absatzmarkt für die von Frauen hergestellten landwirtschaftlichen Produkte. Es kommt daher zu weiteren Einkommensausfällen für betroffene Frauen.

 

Gender-Gerechtigkeit in Aktion

Gleichberechtigung ist ein effektives Mittel gegen diese Ungerechtigkeit. So hat das BMZ  einen entwicklungspolitischen Aktionsplan zur Gleichberechtigung der Geschlechter 2016-2020 aufgesetzt, in dem die Genderproblematik im Bergbau ein wichtiges Thema ist. Der Aktionsplan ist Teil des deutschen Engagements zur Umsetzung der Agenda 2030.

Im Auftrag des BMZ unterstützt das Sektorprogramm aktiv die Women`s Rights and Mining Working Group  (WRMWG). Die WRMWG ist eine internationale Multiakteurs-Partnerschaft (MAP) aus Vertreter*innen von Regierungen, internationalen Nichtregierungsorganisationen sowie Forscher*innen. Ihr Ziel ist es, die wichtigsten Interessensgruppen im Bergbausektor zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit dem Thema Geschlechtergerechtigkeit zu bewegen und die Rechte der Frauen und Mädchen im Bergbau zu stärken. Das Programm veröffentlicht u.a. Berichte und Studien für Regierungen, Organisationen und Unternehmen zur Verringerung des Geschlechtsrisikos und zum Abbau geschlechtsspezifischer Vorurteile im Bergbausektor. Ferner organisiert das Programm Gender-Events bei internationalen Bergbaukonferenzen und anderen Veranstaltungen, um Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen und kommentiert internationale Standards sowie Positionspapiere.

 

Berichte und Studien zur Gleichberechtigung der Geschlechter im Rohstoffsektor

High Grade Media Special Video Serie zu "Gender Equality in Mining"

Das Sektorprogramm Rohstoffe und Entwicklung hat im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Entstehung der kürzlich erschienenen High Grade Media Special Video-Serie „Gender Equality in Mining" unterstützt. In der aktuellen Video Serie werden Frauen und Männer aus unterschiedlichen Bereichen (Unternehmen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft), die mit der Bergbauindustrie in Beziehung stehen, über ihre Erfahrungen zur Gleichberechtigung der Geschlechter in der Branche interviewt.

Das verlinkte Video stellt einen Zusammenschnitt der einzelnen Videos dar.

Loading the player...

Gender & Bergbau Enzyklopädie

Die Enzyklopädie gibt einen guten Überblick darüber, welche Akteure, Initiativen und Programme sich im diesen Feld engagieren. Sie finden darüber hinaus neue Ideen für zukünftige Projekte und Kooperationen. Hier geht es zur Enzyklopädie.

Gender Safeguards für den Kimberleyprozess

Der Kimberley-Prozess ist eine freiwillige Vereinbarung zwischen Regierungen, Zivilgesellschaft und Diamantenindustrie, um den Handel mit sogenannten Konfliktdiamanten zu unterbinden. Konfliktdiamanten, auch „Blutdiamanten" genannt, sind Rohdiamanten, deren Abbauerlöse Rebellengruppen oder ihre Verbündeten zur Finanzierung bewaffneter Konflikte verwenden. Die entstandenen Studien geben praktische Empfehlungen, wie Gender stärker national und global in Arbeitsinhalte und Governance-Strukturen des Kimberley-Reformprozesses eingegliedert werden kann. Weiterlesen

Geschlechtergerechtigkeit in Multi-Akteurs-Partnerschaften

Globale Lösungsansätze rund um Rohstoffe müssen heutzutage nicht nur partizipativ, sondern auch länderübergreifend angegangen werden. Das Sektorprogramm setzt im Rohstoffsektor auf Multi-Akteurs-Partnerschaften (MAP). Um MAPs so inklusiv wie möglich zu gestalten hat das Sektorprogramm Rohstoffe und Entwicklung eine Grundlagenstudie zur Geschlechtergerechtigkeit in Auftrag gegeben. Die Studie beleuchtet unter andrem die Multi-Akteurs-Partnerschaften EITI und IRMA. Die Baseline Studie ‚Gender in Multi-Akteurs-Partnerschaften finden Sie hier.

 

 


Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen