Sektorprogramm
Rohstoffe und Entwicklung
Affe im Wald

12.01.2022 Biodiversität und Bergbau: neue Kurzinformation

Bergbau findet teilweise in biodiversen Gebieten statt.

Mit der Unterzeichnung des internationalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD (Externer Link)) setzten die 196 Mitgliedsstaaten 1992 ein weltweites Zeichen: Der Schutz der Biodiversität ist keine nationale, sondern eine internationale Aufgabe. Die Mitgliedsstaaten beschlossen in einem 10-Jahres-Plan die sogenannten Aichi-Ziele. Die Aichi-Ziele umfassen u. a. die Bekämpfung der Ursachen für Biodiversitätsverlust und die Verringerung des Drucks auf die biologische Vielfalt. An dieser Stelle spielt auch der Rohstoffabbau eine Rolle. 

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, ist eine Energie- und Verkehrswende dringend notwendig. Und diese kann es nicht ohne Primärrohstoffe geben. Der Druck, neue Rohstoffquellen zu erschließen, steigt daher.

Die Internationale Energieagentur (IEA) (Externer Link) prognostiziert in ihrem Bericht (Externer Link), dass sich der Rohstoffbedarf bspw. für erneuerbare Energien von 2020 bis 2040 verdoppeln wird. Auch im Bereich der E-Mobilität wird mit einem starken Wachstum gerechnet. Zum Beispiel wird sich der Bedarf an Kupfer, u. a. für die E-Mobilität, von 2020 bis 2040 um 40 % erhöhen. Die Nachfrage nach Nickel für die E-Mobilität wird im selben Zeitraum um 60-70 % steigen. Viele dieser Rohstoffe befinden sich in Gebieten mit hoher Biodiversität wie z. B. in tropischen Regenwäldern.

Bergbau und die Auswirkungen auf Biodiversität

Beim Rohstoffabbau kann die Biodiversität zerstört werden. Durch den Bau von Minen und angebundener Infrastruktur (Straßen, Siedlungen etc.) können etwa Habitate zerstört, degradiert oder fragmentiert werden. Wasser- und Bodenverschmutzungen, die im Zuge des Abbaus oder der Weiterverarbeitung von Rohstoffen entstehen, können Areale kontaminieren und die Biodiversität bedrohen. Vor allem in Gebieten mit endemischer Flora und Fauna kann ein Bergbauprojekt einzelne Arten stark gefährden. Ein Beispiel, das des Longnose Harlequin Froschs, finden Sie in unserer Kurzinformation.

Warum ist Biodiversität wichtig?

Neben den intrinsischen Werten der Biodiversität und intakter Ökosysteme sind diese auch hinsichtlich ihrer Ökosystemdienstleistungen für den Menschen und zukünftige Generationen essenziel. Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen beschreibt den Nutzen, den intakte Ökosysteme für den Menschen haben, z. B. das Bestäuben von Blüten oder die Bereitstellung von Nahrung oder Holz.  Die Bereitstellung von Nahrung und die Speicherung von Kohlenstoff übersteigt numerisch sogar deutlich das weltweite Bruttoninlandsprodukt. Vor allem deswegen ist ein Rohstoffabbau, der die Biodiversität achtet, besonders wichtig.

Welche Ansätze zum Schutz der Biodiversität gibt es im Bergbau?

Der Schutz der Biodiversität ist fester Bestandteil internationalen Agenden Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) engagiert sich für die Ziele der CBD und zählt zu den größten Gebern im Bereich der Biodiversität.

Auch Stakeholder im Rohstoffsektor haben das Problem erkannt und bemühen sich zunehmend um den Schutz der Biodiversität: als Grundsatz sollen Rohstoffe nach Möglichkeit vorwiegend in biodiversitätsarmen Regionen abgebaut werden. Dies unterstützt auch der Bergbauverband ICMM (International Council on Mining & Metals), der sich neben der Meidung von Gebieten mit besonderer Biodiversität für die Minimierung der Auswirkungen einsetzt.

Hier wird das Prinzip der Mitigationshierarchien angewandt, welches auf den vier Schritten (1) vermeiden, (2) minimieren, (3) sanieren und (4) ausgleichen basiert. Ziel ist es, einen Netto-Verlust der Biodiversität zu vermeiden. Das ICMM Video erläutert die Mitigationshierarchien: 

Renaturierung und Rekultivierung

Im Bergbau wird unterschieden zwischen Rekultivierung und Renaturierung. Rekultivierung ist die Bepflanzung der Abraumhalden in Minen und sorgt für eine rasche Begrünung, stellt jedoch einen Lebensraum mit nur geringer Biodiversität dar. Die Renaturierung hingegen ist ein längerer Prozess, bei dem das ehemalige Minengebiet einer natürlichen Begrünung überlassen wird. Das hier entstehende Habitat weist eine höhere Biodiversität auf.

Maßnahmen der Renaturierung und Rekultivierung können zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und für die Region auch nach dem Ende eines Bergbauprojekts einen wichtigen sozialwirtschaftlichen Faktor darstellen.

Das BMZ hat die Weltbank beim Aufbau der Climate-Smart-Mining-Strategie durch das Sektorprogramm „Rohstoffe und Entwicklung“ unterstützt. Darunter finden sich Ansätze wie Forest-Smart-Mining, die sich besonders für einen wald- und klimaschutzkonformen Bergbau einsetzen, was sich direkt und indirekt auf die Biodiversität auswirkt. (Mehr zum Thema Bergbau und Wälder erfahren Sie hier.)

Ein Eingriff in die Natur – zum Beispiel durch ein Bergbauprojekt – hat unausweichlich negative Auswirkungen auf die Ökologie und die Biodiversität. Allerdings gibt es weltweit Ansätze und Methoden diese möglichst gering zu halten und auszugleichen, wie auch im Rohstoffsektor. Denn eines muss uns bewusst sein: Wer das Klima und damit die Biodiversität schützen will, braucht Rohstoffe. Ohne Rohstoffe keine Energie- und Verkehrswende!

Bergbau und Biodiversität

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 01/2022 | Dateigröße 976 KB, Seiten 4 Seiten

Erfahren Sie mehr über den Zusammenhang von Bergbau und Biodiversität in unserer neuen X4D-Kurzinformation!

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Johannes Lohmeyer (Externer Link) oder Linda Carstens (Externer Link).