Sektorprogramm
Rohstoffe und Entwicklung
ASM in der DRK

14.06.2022 Kinderarbeit im Rohstoffsektor

Am 12. Juni 2022 war der internationale Tag gegen Kinderarbeit. Ein Grund, die derzeitige Lage im Rohstoffsektor etwas genauer zu betrachten.

Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organisation, ILO) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (United Nations Children’s Fund, UNICEF) aus dem Jahr 2020 müssen rund 160 Mio. Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren einer schädlichen und damit völkerrechtlich verbotenen Arbeit nachgehen. Das sind etwa 10 % aller Kinder weltweit. Die Gesamtzahl der arbeitenden Jungen beträgt hierbei 97 Mio. (60,7 %), wohingegen Mädchen einen geringeren Anteil von 62,9 Mio. (39,3 %) ausmachen. Fast die Hälfte der Kinder, 79 Millionen, muss dabei gefährliche Kinderarbeit („hazardous work“) im Sinne von Art. 3 (d) der ILO- Übereinkommens Nr. 182 verrichten. Sie zählt neben z. B. Sklaverei, Prostitution oder der Beschäftigung im Drogenhandel zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit, Art. 3 ILO-Übereinkommen Nr. 182. Neben negativen Folgen für Gesundheit und Sicherheit hat Kinderarbeit meist auch Auswirkungen auf weitere Kinderrechte, beispielsweise wird dadurch oftmals die Möglichkeit der Kinder verhindert, eine Schule besuchen zu können.

Aufgrund der COVID-19-Pandemie hat sich die Lage der Kinder noch verschärft. Durch Schulschließungen und Einkommenseinbußen ist die Zahl der Familien, die an Armut leiden, weltweit gestiegen. Infolgedessen ist laut Schätzungen von UNICEF mit einem Anstieg der von Kinderarbeit betroffenen Kinder bis Ende 2022 von zusätzlichen 8,9 Millionen zu rechnen.


Kinderarbeit im Rohstoffsektor

Laut Schätzungen der ILO sind rund 1 Mio. Kinder im Bergbausektor, überwiegend im artisanalen und Kleinbergbau (engl. ASM = Artisanal and Small-Scale Mining), von Kinderarbeit betroffen.  Dabei fallen die von den Kindern im Bergbau zu verrichtenden Arbeiten zumeist als gefährliche Kinderarbeit unter die schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Im Kleinbergbau klettern Kinder in Schächte, schlagen Minerale vom Fels ab oder nutzen gefährliche chemische Substanzen, um die Minerale vom Erz zu trennen. Die Arbeit in und im Umfeld einer Mine birgt vielfältige Risiken. So besteht für die Kinder bei der Arbeit Lebensgefahr durch Tunneleinstürze oder die Belastung mit giftigen Gasen. Ferner bestehen auch psychische Risiken durch die Arbeitsbelastung sowie, insbesondere für Mädchen, die Gefahr von sexuellen und anderen körperlichen Übergriffen.

Kinderarbeit im Kobaltabbau in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) ist in den letzten Jahren durch Berichte von Nichtregierungsorganisationen1 (Externer Link) besonders in das öffentliche Blickfeld gerückt. Kobalt ist für die Energiewende als Bestandteil von u.a. Lithium-Ionen-Batterien (für Elektroautos sowie Wind- und Solaranlagen) essentiell. Nach Schätzungen steigt die Nachfrage nach Kobalt bis zum Jahr 2030 bis zu 400 %2 (Externer Link). Bereits jetzt werden zwischen 15 und 30 % des Kobalts in der DR Kongo im ASM gewonnen3 (Externer Link). Die steigende Nachfrage an Kobalt erhöht dabei auch das Risiko für Kinderarbeit in den ASM-Minen.  

Deutsches Engagement

Im Kampf gegen die Kinderarbeit in globalen Lieferketten unterstützt Deutschland verschiedene Bestrebungen, unternehmerische Sorgfaltspflichten verbindlich zu regeln. Auf nationaler Ebene hat die Bundesregierung im Juli 2021 das Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten erlassen, welches im Januar 2023 in Kraft tritt und Sorgfaltspflichten zu Kinderarbeit umfasst. Auf EU-Ebene wurden mit der EU-Verordnung zu Konfliktmineralen verbindliche Sorgfaltspflichtenregelungen auch zu Kinderarbeit entlang bestimmter Rohstofflieferketten eingeführt. Weitere Regulierungen, wie die Entwürfe für eine EU-Batterieverordnung und eine EU-Lieferkettenrichtlinie beziehen sich ebenfalls auf das ILO-Übereinkommen Nr. 182, um die Beseitigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit in globalen Lieferketten voranzutreiben.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) unterstützt verschiedene Projekte weltweit, um Kinderrechte zu stärken. Im Rohstoffsektor werden insbesondere Projekte in Zentralafrika gefördert, die es zum Ziel haben, die Bevölkerung für kinderrechtliche Themen zu sensibilisieren sowie die Kooperation zwischen Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Vereinigungen und staatlichen Akteuren zu fördern.

  • Zum Beispiel wird in einem Projekt in den Ländern der Internationalen Konferenz der Region der Großen Seen (International Conference on the Great Lakes Region, ICGLR) der regionale Zertifizierungsmechanismus für die Rohstoffe Zinn, Coltan, Wolfram und Gold umgesetzt. Dabei werden die Minen auch hinsichtlich Kinderarbeit überprüft.  
  • Darüber hinaus unterstützt die deutsche EZ die Regierung in der DR Kongo bei der Erarbeitung einer Strategie gegen Kinderarbeit und sensibilisiert die Bevölkerung um die Provinzen Haut-Katanga und Lualaba für das Thema. Auch Vertreter*innen der Aufsichtsbehörde für den Kleinbergbau werden zur Beachtung von Kinderrechten geschult. In einem weiteren Projekt wurden Daten zu Kinderarbeit gesammelt und darauf aufbauend ein Toolkit entwickelt, welches die Kinderarbeit im privaten Sektor beseitigen soll.