Sektorprogramm
Rohstoffe und Entwicklung

Neue IGF-Studie zu Local Content Policies im Bergbausektor

Das Intergovernmental Forum on Mining, Minerals, Metals and Sustainable Development (IGF) hat eine neue Studie veröffentlicht, die untersucht, wie rohstoffproduzierende Länder Local Content Policies im Bergbausektor gestalten und umsetzen. Die Studie „Local Content Policies in Mining: Insights from a Survey of Producer Countries“ bietet eine Analyse der bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Umsetzung solcher Gesetze. Grundlage ist eine Umfrage, die im Juni 2025 in Ländern Afrikas, Asiens, Europas und Lateinamerikas durchgeführt wurde. Unterstützt wurde die Studie vom GIZ-Sektorprogramm „Rohstoffe und Entwicklung“, das im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt wird.

Zur Studie: Local Content Policies in Mining: Insights from a survey of producer countries (Externer Link)

Die Bedeutung von Local Content Policies

Im Bergbausektor bezeichnet Local Content, inwiefern wirtschaftliche Aktivitäten im Zusam-menhang mit Bergbau einen Beitrag zur Wertschöpfung innerhalb der nationalen Wirtschaft leisten. Der Begriff local umfasst dabei drei komplementäre Dimensionen:

  1. eine geografische Dimension, die sich auf Vorteile für Gemeinden in Bergbauregionen oder auf nationaler Ebene bezieht,
  2. eine Wertschöpfungsdimension, die wirtschaftliche Aktivitäten wie Weiterverarbeitung, die Herstellung von Zwischenprodukteoder Dienstleistungen im Inland umfasst; sowie
  3. eine Eigentums- und Kontrolldimension, die die Beteiligung einheimischer Unterneh-men oder Bürger:innen an Bergbauaktivitäten umfasst.

Der Begriff content bezieht sich auf wirtschaftliche Aktivitäten und Fähigkeiten, die durch ent-sprechende Politiken im Inland aufgebaut und gestärkt werden sollen – etwa lokale Beschäfti-gungsmöglichkeiten, die Entwicklung von Zulieferunternehmen oder den Wissenstransfer ent-lang Rohstoffwertschöpfungsketten.

Local Content Policies gewinnen zunehmend an Bedeutung, da sie beeinflussen, wie rohstoff-reiche Länder Bergbauinvestitionen in wirtschaftliche Entwicklung und nationale Entwick-lungsziele überführen. Aus wirtschaftlicher Sicht können solche Politiken zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Entwicklung lokaler Zulieferindustrien, zu zusätzlicher Wertschöpfung und erhöhten Staatseinnahmen, sowie zum Ausbau gemeinsamer Infrastruktur beitragen. Gleich-zeitig können sie soziale Teilhabe fördern, indem sie Beschäftigungsmöglichkeiten erweitern und die Beteiligung von Frauen, indigenen Bevölkerungsgruppen und anderen marginalisier-ten Gruppen stärken. Spürbare wirtschaftliche und soziale Effekte für die lokale Bevölkerung sind zudem entscheidend für die gesellschaftliche Akzeptanz von Bergbauprojekten („social licence to operate“). Bleiben diese aus, stoßen Projekte eher auf Widerstand in den betroffe-nen Gemeinden, was zu Verzögerungen oder Konflikten führen kann. Local Content Policies sind daher nicht nur ein entwicklungspolitisches Instrument, sondern auch ein strategischer Faktor für Unternehmen, die auf stabile und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen sind.

Zentrale Ergebnisse

Die Studie zeigt mehrere zentrale Trends bei der Gestaltung und Umsetzung von Local Con-tent Policies durch Regierungen:

  • Lokale Beschäftigung und die Entwicklung von Zulieferunternehmen stehen bei den meis-ten Local Content Policies im Vordergrund.
  • Rund 80 % der befragten Länder fördern die wirtschaftliche Entwicklung von Gemeinden in Bergbauregionen und viele (37 %) kombinieren dies mit Maßnahmen, die Unternehmen und Einzelpersonen im gesamten Land zugutekommen.
  • Zu den häufigsten Instrumenten zählen Vorgaben für den Anteil lokaler Beschäftigter, Plä-ne zur schrittweisen Erhöhung lokaler Beschäftigung sowie Verpflichtungen zur Ausbil-dung lokaler Arbeitskräfte. Viele Regierungen unterstützen zudem inländische Zulieferun-ternehmen – meist durch technische Unterstützung – und ergänzen dies durch Anforde-rungen an lokale Beschaffung.
  • Einige Länder fördern darüber hinaus Weiterverarbeitung und zusätzliche Wertschöpfung, etwa durch Vorgaben, wonach Mineralien vor dem Export eine bestimmte Verarbeitungs-stufe erreichen müssen.
  • Gleichzeitig haben einige der befragten Mitgliedsländer aus bisherigen Erfahrungen ge-lernt und passen ihre Politiken entsprechend an. In einigen Regionen – etwa in West- und Zentralafrika – beginnen Nachbarländer, ihre Local Content Policies stärker zu harmonisie-ren, um regionale Investitionen und die Entwicklung von Zulieferindustrien zu erleichtern.
  • Die Umfrage zeigt auch Herausforderungen bei der Umsetzung aufgrund von begrenzten technischen Kapazitäten sowie unzureichende finanzielle Ressourcen und Daten-grundlagen bei Regierungen, Koordinationsprobleme zwischen staatlichen Institutionen sowie mangelnde Kapazitäten bei lokalen Zulieferunternehmen und Arbeitskräften.

Abbildung 1: Umfrageergebnisse zu den Prioritäten der Regierung hinsichtlich Local Content Policies im Bergbau

Abbildung 1: Umfrageergebnisse zu den Prioritäten der Regierung hinsichtlich Local Content Policies im Bergbau

Eine Fallstudie aus den Philippinen verdeutlicht sowohl das Potenzial als auch die Herausfor-derungen von Local Content Policies in der Praxis. Nach dem philippinischen Mining Act sind Bergbauunternehmen verpflichtet, bei der Beschäftigung vorrangig philippinische Arbeitskräfte sowie bei der Beschaffung lokale Zulieferer zu berücksichtigen, sofern Sicherheits-, Qualitäts- und Preisanforderungen erfüllt werden. Diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, die Betei-ligung lokaler Unternehmen und Arbeitskräfte im Bergbausektor zu erhöhen und so deren wirtschaftliche Chancen verbessert. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Philippinen bislang noch nicht das volle Potential dieser Maßnahmen ausgeschöpft haben. Gründe dafür sind unter anderem begrenzte institutionelle Kapazitäten, unzureichende Daten zur lokalen Be-schaffung sowie Koordinationsprobleme zwischen staatlichen Behörden.

Fazit

Insgesamt zeigt die Umfrage, dass die IGF-Mitgliedstaaten ihre Local Content Policies über-wiegend als erfolgreich bewerten. Viele Regierungen haben ihre Ansätze auf Grundlage frühe-rer Erfahrungen weiterentwickelt und Anforderungen so angepasst, dass die lokale Wert-schöpfung steigt, ohne die Bergbauindustrie übermäßig zu belasten. Die Studie betont die Bedeutung realistischer Zielsetzungen, einer kontinuierlichen Überprüfung der Maßnahmen sowie starker institutioneller Kapazitäten, um die entwicklungsfördernden Effekte des Berg-baus bestmöglich auszuschöpfen.

Diese Erkenntnisse stehen in Einklang mit dem Ansatz der deutschen Entwicklungszusam-menarbeit, die Partnerländer bei der Stärkung lokaler Wertschöpfung im Rohstoffsektor unter-stützt – unter anderem durch ihr Engagement in internationalen Plattformen wie dem IGF so-wie durch bilaterale, regionale und globale Vorhaben. Programme der GIZ in Ghana, Guinea und der Demokratischen Republik Kongo unterstützen beispielsweise lokale kleine und mittle-re Unternehmen (KMU) dabei, sich als Zulieferer für den Bergbausektor zu etablieren – etwa durch Unternehmensschulungen, Netzwerkbildung und Kooperationen mit Industrie- und Aus-bildungsinstitutionen. Darüber hinaus begleiten Initiativen wie die CONNEX Support Unit Partnerländer dabei, lokale Wertschöpfung und Weiterverarbeitung frühzeitig in Verhandlun-gen mit Investoren und Bergbauunternehmen zu verankern. Instrumente wie der Local Procu-rement Reporting Mechanism (LPRM) erhöhen zudem die Transparenz zu lokaler Beschaf-fung und helfen Regierungen und lokalen Unternehmen, Beteiligungsmöglichkeiten an Roh-stoffwertschöpfungsketten besser zu identifizieren.