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Climate Smart Mining

Pflicht für eine wirklich nachhaltige Energie- und Verkehrswende!


23.05.2018 |

Seit Anfang des Jahres besteht eine Kooperation zwischen dem Sektorprogramm Rohstoffe und Entwicklung und der Fachabteilung Energie und Rohstoffe der Weltbank zum Thema „Climate Smart Mining for a Low-Carbon Future“. Hervorgegangen ist diese Zusammenarbeit aus Gesprächen während eines side events zur COP23 in Bonn im vergangenen Jahr.

Die Analyse der Weltbankstudie The Growing Role of Minerals and Metals for a Low Carbon Future war der Auslöser der Kooperation. Die globale Energie- und Verkehrswende wird laut Studie der Weltbank die Nachfrage nach Primärrohstoffen dramatisch steigern. In der Folge werden auch Bergbauaktivitäten zunehmen. Die steigende Nachfrage nach Rohstoffen stellt eine große Chance für rohstoffreiche Entwicklungsländer dar. Gleichzeitig ergeben sich aber auch eine ganze Reihe von Zielkonflikten, da Bergbau in seiner heutigen Form oft mit erheblichen Eingriffen in die Natur und beträchtlichen Treibhausgasemissionen verbunden ist. Es besteht folglich zum einen die Gefahr, dass die Energie- und Verkehrswende aus ökologischer Perspektive diskreditiert wird. Zum anderen ist zu befürchten, dass die Energie- und Verkehrswende in Industrie- und Schwellenländern negative Folgen in rohstoffreichen Entwicklungsländern hat.

Die Antwort auf diese Herausforderungen liegt in einem möglichst umweltfreundlichen und klima-sensitiven Bergbau. Wie kann ein solcher Climate Smart Mining Ansatz aussehen? Welche technologischen Praktiken aber auch regulatorischen Maßnahmen sind notwendig um seine Umsetzung zu gewährleisten? Das ermitteln GIZ und Weltbank im Verlauf des Jahres im Rahmen eines globalen Konsultationsprozesses. Dieser begann Anfang März mit einer Veranstaltung auf der größten Bergbaukonferenz der Welt in Toronto (PDAC) und wird regional mit einem Expertenworkshop für Lateinamerika Anfang Juni in Santiago de Chile fortgesetzt.

Anlässlich der Zwischenverhandlungsrunde im UN-Klimaprozess, die im Mai in Bonn stattgefunden hat, wurde darüber hinaus am 4. Mai in der GIZ die Gelegenheit zum weiteren Austausch mit der Zivilgesellschaft und dem Privatsektor genutzt. Vertreterinnen der Weltbank hoben bei der Vorstellung der oben genannten Studie die Bedeutung von Mineralien und Metallen für eine kohlenstoffarme Zukunft hervor. Anhand anschaulicher Beispiele zeigten sie, wie viele Metalle in Solarzellen, Windrädern oder Elektroautos stecken und wie viele Mineralien beispielsweise für den Bau von Batterien bzw. Langzeitspeichern benötigt werden. Die Kernbotschaft: Die Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien wird eine enorme Menge an (zusätzlichen) Mineralen und Metallen benötigen. Diese Rohstoffe werden zu einem erheblichen Teil aus rohstoffreichen Entwicklungs- und Schwellenländern kommen. Daher muss überlegt werden, wie diese Länder die Vorteile des sich verändernden Rohstoffmarktes für sich nutzen und dabei ihre Klima- und Nachhaltigkeitsziele einhalten können. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie die internationale Entwicklungsgemeinschaft die Länder am besten bei der Bewältigung dieser Herausforderung unterstützen kann.

Anschließend an die Präsentation der Weltbank diskutierten Zivilgesellschaft und Privatsektor die Implikationen des Reports. Die Zivilgesellschaft betonte die Wichtigkeit von Themen wie Energieeffizienz, Recycling und die Notwendigkeit klarer Vorgaben seitens der Politik. Hervorgehoben wurde außerdem, dass ein klimasensitiver Ansatz über ein verantwortungsvolles Umwelt- und Materialmanagement hinausgehen müsse, und auch soziale und entwicklungspolitische Fragen adressieren müsse.

Der private Sektor hingegen könnte von einer Mischung aus gesetzlicher Regulierung und freiwilliger Initiativen in Bezug auf Nachhaltigkeit in der Lieferkette profitieren. Die Teilnehmenden aus dem privaten Sektor legten zudem Schwerpunkte auf die Bedeutung neuer Trends insbesondere im Energie- und Mobilitätssektor, sowie im Bereich Digitalisierung, die bedeutsame Auswirkungen auf die Ausrichtung globaler Rohstoffmärkte haben werden. Ein weiterer Punkt war die Beteiligung der Staaten am EITI (Extractive Industries Transparency Initiative) Prozess zur Förderung von Innovationen. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass nur ein offener Dialog auf Augenhöhe mit allen involvierten Akteuren die Diskussion vorantreiben kann.

Auch wenn ein Wandel hin zur Verwendung von sauberen Energien im Bergbausektor in den letzten Jahren bereits eingeläutet wurde – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aufgrund entsprechender regulatorischer Maßnahmen und gesellschaftlichem Druck – besteht noch weiterer Handlungsbedarf. Größte Herausforderungen bleiben die Verbesserung der staatlichen Aufsichtskapazitäten für den Rohstoffsektor sowie eine vermehrte zwischenstaatliche Koordination. Der Dialogbedarf zwischen Vertretern der Bergbau- und der Klimagemeinschaft ist zukünftig weiter hoch. Abschließend bleibt zu sagen, dass der Wandel hin zur Verwendung sauberer Energie wesentlich materialintensiver sein wird, jedoch potenziell starke klimatische und wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Johannes Lohmeyer.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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