Sektorprogramm
Rohstoffe und Entwicklung

Leave No One Behind - LNOB im Rohstoffsektor

Leave No One Behind” (LNOB) – „Niemanden Zurücklassen“ – ist der Leitsatz der 2015 verabschiedeten Agenda 2030 (Externer Link) für nachhaltige Entwicklung.

Der Leitsatz bildet den globalen Rahmen der 17 Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen. Die Weltgemeinschaft hat sich darauf verständigt, die Schwächsten der Schwachen in den Mittelpunkt zu stellen und zu unterstützen. Doch wie passt LNOB in den extraktiven Sektor und was tut die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) dafür, im Zuge einer verantwortungsvollen Rohstoffproduktion „niemanden zurückzulassen“?

Hintergrund

Factsheet DEU

LNOB im Rohstoffsektor Factsheet

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 03/2021 | Dateigröße 734 KB, Seiten 5 Seiten

Drei Viertel der von Armut betroffenen Menschen leben in Ländern, in denen der Rohstoffsektor erheblich zur nationalen Wirtschaft beiträgt (z. B. 18 % in der DR Kongo, 25 % in der Mongolei). Dabei wird die Relevanz des Rohstoffsektors in den kommenden Jahren unter anderem durch die globale Energie- und Verkehrswende voraussichtlich weiter steigen. Erneuerbare Energietechnologien sind dringend notwendig, um die Pariser Klimaziele einzuhalten. Dabei sind sie sehr rohstoffintensiv. So wird in der EU nach Schätzungen der Europäischen Kommission bis 2030 18-Mal so viel Lithium und fünfmal so viel Kobalt wie bisher benötigt. Daher ist es umso wichtiger, dass marginalisierte Personen und Gruppen sowie Menschen in extremer Armut auch im Rohstoffsektor im Fokus von Entwicklungsprozessen stehen. Damit können strukturelle Ursachen von Ungleichheiten und Diskriminierung behoben werden.

  • Etwa 40 Millionen Menschen arbeiten nach Schätzungen der Weltbank weltweit im Kleinbergbau - meist als informelle Arbeiterinnen und Arbeiter – und sind häufig unsicheren Arbeitsbedingungen wie fehlendem Arbeits- und Gesundheitsschutz ausgesetzt.
  • Davon sind je nach Land 30-50 % Frauen, während im industriellen Bergbau lediglich 10 % der Beschäftigten weiblich sind. Die Arbeitsrealität von Frauen im Bergbausektor ist geprägt von struktureller Benachteiligung, Lohnungerechtigkeit und mangelndem Gesundheitsschutz. Darüber hinaus sind sie oft von sexueller Gewalt und Prostitution im Umfeld der Minen betroffen.
  • Zudem sind nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO) weltweit etwa eine Millionen Kinder im Bergbau tätig. Einige davon sind in schlimmste Formen der Kinderarbeit involviert. Es besteht ein Mangel an gesetzlichen Regelungen und Durchsetzungsmechanismen sowie an Schul- und Berufsausbildung. Daraus resultiert eine wirtschaftliche Perspektivlosigkeit.
  • Auch Indigene sind teilweise stark von den negativen Auswirkungen des Bergbaus betroffen. In rohstoffreichen Regionen kann es zu gewaltsamen Konflikten sowie der Zerstörung von Lebensgrundlagen kommen, wenn Minen in sozio-ökologisch sensible Gebiete wie Urwälder vordringen. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge werden jährlich etwa 15 Millionen Indigene aufgrund von großen Investitions- und Entwicklungsprojekten insbesondere im extraktiven Rohstoffsektor zwangsumgesiedelt. Oft werden kollektive Konsultations- und Zustimmungsrechte (Free, prior and informed consent, FPIC) missachtet.
  • Rohstoffextraktion erfordert den Einsatz großer Wassermengen, die in einigen Fällen als toxisches Abwasser in Flüsse zurückgeleitet werden. Negative Folgen können Biodiversitätsverlust, Bodendegradation, Gesundheitsschäden, Wasserverschmutzung sowie Entzug der Lebensgrundlage sein und Menschen damit zusätzlich in Armut und Marginalisierung drängen.

Projektbeispiele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zur Verankerung von LNOB im Rohstoffsektor

Der Rohstoffsektor hat jedoch nicht nur negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, sondern ist für viele Menschen eine wichtige wirtschaftliche Einnahmequelle und kann ihnen so den Weg aus der Armut ermöglichen. Die aufgeführten Beispiele zeigen, wie eine verantwortungsvolle Gestaltung des Rohstoffsektors sicherstellen kann, dass „niemand zurückgelassen“ wird. 

Integrierte wirtschaftliche Entwicklung im Rohstoffsektor in Mauretanien

  • Das Vorhaben fördert die lokale Wertschöpfung im industriellen Bergbau: Der industrielle Bergbausektor importiert fast alles, was er benötigt, darunter Industriegüter, Lebensmittel und Dienstleistungen. Indem die lokale Wertschöpfung erhöht wird, werden diese Importe ersetzt und so Arbeitsplätze und Einkommen für die Menschen vor Ort geschaffen, die sonst arbeitslos wären oder eine geringer qualifizierte und schlechter bezahlte Tätigkeit ausüben würden. 
  • Das Vorhaben führt eine Studie über quecksilberfreie Alternativen bei der Goldgewinnung im Kleinbergbau durch und trägt damit zu besseren Arbeitsbedingungen, zum Gesundheitsschutz und zum Umweltschutz bei. Die Arbeitsbedingungen im handwerklichen Bergbausektor sind sehr schlecht und gefährlich. Das Vorhaben sorgt für bessere Arbeitsbedingungen. Projektstudien haben gezeigt, dass die meisten Bergleute ungebildet und arm sind und Familie haben. Die Arbeit des Projekts kommt diesen Männern und Frauen sowie ihren Familien zugute.

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung im Bergbausektor (Externer Link) in der DR Kongo

  • Begleitet Bergbau-Kooperativen bei ihren Aktivitäten, um sie bei der Einhaltung internationaler Standards im Bergbausektor zu unterstützen.
  • Beinhaltet insbesondere Standards zu den Themen Menschenrechte mit besonderem Schwerpunkt auf der Ausmerzung der Kinderarbeit. In diesem Zusammenhang werden ein Katalog von Standards entwickelt sowie Informations- und Schulungsmodule eingerichtet.

MinSus Projekt (Externer Link) in der Andenregion

  • MinSus hat die Ombudsinstitutionen in der Andenregion dabei unterstützt, ihre Beschwerdemechanismen zu verbessern und zu digitalisieren. Diese Arbeit hat dazu beigetragen, dass die vom Bergbau betroffenen Gemeinden während der COVID-19-Pandemie Zugang zu Beschwerdemechanismen haben, wenn persönliche Beschwerden nicht eingereicht werden konnten.
  • MinSus hat mit der Zivilgesellschaft in der Andenregion zusammengearbeitet, um Empfehlungen für neu entstehende Zertifizierungssysteme für Minerale wie IRMA und CopperMark zu entwickeln und wie diese angepasst werden können, damit sie auch als wichtige Informationsquelle für vom Bergbau betroffene Gemeinden dienen können.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt damit das LNOB-Prinzip bereits in mehreren Projekten im Rohstoffsektor aktiv um und stärkt so die Rolle marginalisierter Gruppen und Personen in Entwicklungsprozessen.

ASM-Arbeiterin in Sierra Leone

Geschlechtergerechtigkeit Interner Link

Der Bergbau gehört zu den am wenigsten geschlechtergerechten Arbeitsbereichen der Welt. Frauen profitieren deutlich seltener von seinen positiven Auswirkungen und leiden stärker unter den negativen Folgen. Das Sektorprogramm setzt sich dafür ein, dass sich dies ändert.

ASM-Arbeiter in Sierra Leone

Free, Prior and Informed Consent: Indigene Rechte, Partizipation und der Bergbausektor Interner Link

Das Sektorprogramm unterstützt mit seinen Aktivitäten das Recht indigener Völker auf Konsultation und freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) im Kontext nachhaltiger Entwicklung im Bergbau und der Gestaltung verantwortungsvoller Lieferketten.

Bergbau in Peru

Umwelt und Bergbau Interner Link

Entwaldung, Verschmutzung von Wasser, Luft und Böden oder der Verlust von Biodiversität sind potenzielle Folgen der Rohstoffgewinnung. Das Sektorprogramm setzt sich dafür ein, Umweltrisiken im Bergbau zu minimieren.

Kohletagebau Garzweiler

Klimasensibler Bergbau Interner Link

Das Sektorprogramm engagiert sich im Rahmen von internationalen Foren und Initiativen dafür, dass die positiven Entwicklungspotenziale der im Zuge von Verkehrs- und Energiewende weltweit wachsenden Nachfrage nach Rohstoffen genutzt und negative Auswirkungen der Rohstofförderung auf die Klimabilanzen minmiert werden.

Ingenieure steuern Maschinerie

Digitalisierung im Rohstoffsektor Interner Link

Technologische Innovationen verändern das Gesicht der Bergbauindustrie grundlegend. Beim Abbau von Rohstoffen können sie höhere Effizienz und Produktivität gewährleisten und bewirken transformative Veränderungen in den Bereichen Gesundheit und Sicherheit sowie Umweltschutz.

Abbau mit schweren Maschinen

Local Procurement Reporting Mechanism (LPRM) Interner Link

Nachhaltiges Wirtschaftswachstum erfordert die Diversifizierung der lokalen Wirtschaft, den Aufbau von Produktionsketten sowie eine gezielte Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen. Um lokale Beschaffung langfristig zu stärken, wurde der Mining Local Procurement Reporting Mechanism (LPRM) entwickelt.